FANDOM


VorwortBearbeiten

Im Folgenden sind Geschichten rund um Arthoria veröffentlicht, die dem Band "Märchen und Sagen aus Elteran und Umgebung" des fiktiven Authors Arnesson zuzuordnen sind. Weiterhin gibt es "Einzelne Geschichten von Arnesson". Die Geschichten sind geprägt duch die Rollenspielumgebung des Browsergames Arthoria und duch die Inspiration H.P. Lovecrafts.


Der Fluch des DrachenBearbeiten

Oscuratus est sol
Obscuratus est aer
Salva me ab ore dragonis

"[...]Diese Wesen sind die einzigen Humanoiden, sich von Blut [er-] nährende Spezies, scheinbar von Curulum selbst erschaffen. Berichten zur folgen, bewegen sie sich offenbar nur in der Nacht. Normale Waffen oder Zauber, scheinen ihnen aber nichts anhaben zu können. Nur mit speziell geweihten Waffen und besonderen Lichtzaubern können sie getötet werden. Auch werden oft Berichte zitiert, in denen von einer Pfählung eines solchen Wesens die Rede ist.[...]" Aus: "Kompendium Currulum" von Archibald Finnwald, Alchemist. Erstausgabe 4756 Sonnenzyclus, Bibliothek zu Elteran. S. 45.

"Blut bildet die eynzige Speyse, die dem Vampyr zu munden scheynd. Auch mit Blut versetzte Speysen und [Ge-] Tränke sind dem Nachtwesen nicht fremd." Schriftrolle aus dem frühen Tagen der Stadt Elteran. Unbekannter Verfasser.

"Er verbrachte nach angaben deiner Freunde plötzlich viel Zeit in der großen Bibliothek von Elteran. Auch in den Laboratorien sowohl in seiner Gilde "Luna Saguinis", die scheinbar durch seine Übernahme zu Macht und Einfluss gelangte, als auch in seinem Anwesen, welches sich einmal im Handelshafen der Stadt befand. Aus "Die Dunkele Vergangenheit Elterans" von Leon LaSalle, Chronist. Erstausgabe: 5438 Sonnenzyclus, Sommer

[...]Arne war ein Kaufmann, ein Händler. Seinen Zeitgenossen war er zunächst als höflicher, zielgerichteter Mann bekannt, der sich mit Begeisterung und Hingabe dem geerbten Familieunternehmen seiner Eltern, welche bei einem Tragischen Schiffsunglück um den 4990 Sonnenzyclus bei einem Schiffbruch ums Leben kamen, widmete, bekannt. Ich schreibe zunächst, da etwa mit der vergangenen Jahrtausendwende eine Veränderung mit ihm geschah. Einige Zeit nachdem der die Dunkle Bruderschaft Luna Sanguinis (damals noch als Xareos bekannt, nachzulesen in: "Die dunklen Gilden Elterans" von Sverta Stavnik) übernommen hatte, zog er sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurück.[...] Aus: "Das Leben des Arne" von Haged Lichtfinger, Zeitgenössischer Chronist. Erschienen in: "Almaxias Erzählungen" - Buch der Krieger, S. 124, Kap. IV ff; Erstausgabe 5273 Sonnenzyclus, Herbst. Übersetzt von Arvid dem Langlebigen 7850 Sonnenzyclus, Winter


Prolog

Kälte. Das war das erste was Arne spürte, als er erwachte. Das Wasser in der Wanne war auf Raumtemperatur abgekühlt. Sich aus der Wanne erhebend, ließ er das Wasser ab und trocknete sich. Frierend setzte er sich vor das Feuer, bemerkte aber bereits eine leichte Schwäche als Vorbote einer Erkältung. Ich muss schnell in die Bibliothek, bevor ich endgültig krank werde, dachte er bei sich.
Arne verließ das Anwesen und begab sich in die Bibliothek. Dort angekommen, forsche er in den Bänden nach dem Zauber der ihn nicht mehr losgelassen hatte, seit er von ihm erfahren hatte. Gegen das dumpfe, kranke Gefühl in seinem Kopf ankämpfend, las er einen Band über physikalische Schadenszauber. Feuerzauber und dämonische Wesen... Der Infernozauber in Paarung mit... Plötzlich stockte er an einem Absatz. Der Kuss des... Arne blickte sich um. Als er sicher war nicht beobachtet zu werden, riss er die Seite heraus und steckte sie ein. er schlich sich aus der Bibliothek und lief zu seinem Anwesen, wo er sich sofort in sein Labor begab. Manakristalle. Er öffnete eine große Truhe, nahm einige Kristalle heraus und legte sie auf den Tisch. Zweifel stiegen in ihm auf. Sollte er das wirklich tun? Es ist doch nur ein Zauber! Aber wenn... Arne atmete tief ein. Dann gruppierte er die Manakristalle um den Edelstein der Dunkelheit und las die Formel. Er spürte, dass sich etwas in ihm veränderte. Doch das taube Gefühl von Krankheit blieb. Nur ein Simulationszauber? Kein echter... Etwas wie Erleichterung stieg in ihm auf. Er musste den Zauber dennoch testen. Im Hafenviertel wimmelte es ständig von Ratten. Schnell war ein Versuchsobjekt gefunden. Arne webte einen Faden zu dem ahnungslosen Tier. Da hörte er ein seltsames Geräusch. Wie ein Krächzen aus Tausenden Kehlen und doch so anders. Der Himmel verdunkelte sich. Eine zitternde Wolke aus Vogelleibern stürzte aus der Luft auf die Stadt nieder. Alarmglocken wurden geläutet. Überall aus der Stadt stiegen die verschiedensten Zauber zum Himmel empor und töteten die Kreaturen massenhaft. Der faden zu der Ratte riss ab, als sich die Aufmerksamkeit des Magiers auf einen Kohlrabenschwarzen Leib richteten, der vor seinen Füßen landete. Arne kniete sich hin und betrachtete die Kreatur. Irgendetwas stimmte nicht. Sie sah nicht aus, wie ein gesundes Tier. Grade wollte er eine Hand nach dem Tier ausstrecken, als es sich böse krächzend aufrichtete und grade auf ihn einhacken wollte. Der junge Magier reagierte automatisch. den letzten Zauber, den er auf den Lippen hatte rezitierend, attackierte er das seltsame wesen. Im selben Moment, in dem es endgültig verging, spürte er, wie es ihm selbst besser ging. Die Lebenskraft des Raben hat sich auf mich übertragen, dachte er verwirrt. Im selben Moment sah er eine Krähe, die direkt auf ihn im Sturzflug zusteuerte. Er hob seinen Zauberstab mit der mächtigen Gemme an der Spitze, da landete der Rabe und verwandelte sich blitzartig in einer rauchig schlierigen Wolke in einen Humanoiden schattender einen Zauber murmelte.
Der Stab wurde Arne aus der Hand gerissen. Wie erstarrt stand er da, den Magier im sich lichtenden Nebel betrachtend. Er sah einen hoch gewachsenen, extrem schlanken Mann in dunklem Leder gekleidet. Seinen Stab hatte er nach dem Zauber der Arne den Stab aus der Hand fegte noch erhoben. "Dir wird nichts geschehen", sagte die Gestalt mir düsterer Stimme, als Arne sich gehetzt Hilfe suchend umsah. "du hast den Zauber gesprochen. Ich habe es gespürt." welche Zauber? Bis du für die Raben verantwortlich?", rief Arne mit sich überschlagender Stimmer. "Welchen Zauber? Den Fluch des Vampyrs natürlich! Nur wenige sind im mächtig. Und ja: Ich bin für die Raben verantwortlich." Überall in der Stadt wurden die Bürger von den Raben angegriffen. Doch sie wehrten sich standhaft. "Was willst du von mir? Mich töten?" Der Dunkle lachte "Dich töten? Nein. Du hast etwas sehr, sehr dummes getan indem du den Zauber gewirkt hast. Sieh, die Raben sind magisch miteinander verbunden, aber können sich von einander unabhängig agieren. Der einzige Zauber der sie alle Tangiert hat ist deiner. Du hast die alle infiziert." Ein hämisches Lächeln trat an die Stelle des Lachens "Und sie werden die Bürger infizieren." Arne schrie "Nein" und hechtete nach seinem Zauberstab. Mitten im Sprung wurde er aus der Luft gerissen. Der Fremde hatte sich kurz in Nebel aufgelöst um wieder bei Arne zu erscheinen. "Du wolltest den währen Zauber, hab ich recht?", Er Lachte hämisch, "Du hast den Kuss des Vampirs gesucht, nicht? Willst du ihn immer noch?" Arne fühlte sich plötzlich noch schwächer. "Ich..." "Also ja. Die Augen des Dunklen veränderten sich. die Iris war nun Katzenartig und fahl wie die eines Toten. Blutunterlaufen blickten sie ihn an als das Gesicht einfiel und Spitze Reißzähne aus den Kiefern wuchsen. "du hast das Falschen Zauber gefunden und ihn auf meine Kreaturen angewandt. Selbst, wenn die fallen werden sie die Seuche über euch bringen. Daher will ich dich belohnen" Mit diesen Worten riss der den Kopf des Magiers bei Seite. Arne spürte kurz ein brennen in seinem Hals. Dann bemächtigte sich ein taubes wohliges Etwas einem Körper, seiner Seele und seinem Bewusstsein. Nach einer Zeit, die Arne unendlich vorkam, löste sich der Fremde Magier von ihm. "Nun ist es an dir." Mit diesen Worten stach er sich in das Handgelenk. Helles Blut trat hervor. Er legte es dem liegenden auf den Mund. Arne dacht nicht mehr nach und begann zu trinken. Es explodierte in seinen Venen, in seinem Kopf. Erinnerungen, die er nicht haben sollte, stiegen in ihm auf. Ein Wald... Berg... Burg... Er sog gierig. Sein Verstand kehrte wieder. Sera... Die Bibliothek... der Spruch. Feuer! Der Fremde zog grade die Hand weg und setzte dazu an, etwas zu sagen als Arne nur "Inferno" brüllte. Der Dunkele schrie auf, brannte. Hitzewogen schlugen Arne ins Gesicht. Er rollte sich mir einer seltsamen Kraft weg, das Gesicht zum Boden gedrückt. Ein markerschütternder Schrei ließ ihn aufblicken. Er sah grade noch, wie die brennende Gestalt erstarrte und in sich zusammenfiel. Arne stand schwer atmend auf, blickte auf die schwelenden Überreste.
Ein vielstimmiger Freudenjubel erfüllte die Stadt als die Übrigen Raben einfach vom Himmel fielen. Da überkam ihn etwas. Er spürte wie etwas in ihn Eindrang. Macht weitere Erinnerungen, Energie... Er sah sich um. Niemand würde von dem Aschehaufen Notiz nehmen, dachte er bei sich und rannte zum Marktplatz. Priester liefen umher. Arne fragte einen Passanten was geschehen sei. Dieser berichtete von dem Überfall der Raben und von einer Seuche, die die Leute befiel, die die Tiere angefasst hatten. Arne spürte einen Kloß in seine Hals. Das ist meine Schuld. Da lieferte ihm sein Gedächtnis schon eine Lösung. Verwirrt lief er zu einem Priester. "Ihr müsst aus den Überresten der Tiere und Guliakbeeren ein Gegenmittel gegen die Seuche brauen." "woher wisst ihr das?" fragte der Priester verwundert. "Nun.. ich.. hab es gelesen." Der Mann sah Arne ungläubig an, gab aber den Befehl mit einem Seitenblick auf ihn die Raben zu zerteilen und die Beeren zu holen. Eine Erkenntnis traf Arne wie ein Schlag. Dieses Mittel wird nur gegen der Fluch wirken nicht gegen... Er musste sich setzen. Was wird nun werden? Was ist mit... Wenn sie erfährt, dass ich... "Sera!"
Arne ging auf die Suche nach der jungen Magierin. Die Stadt wurde hermetisch abgeriegelt. Wenn er sie nicht fand, war sie außerhalb Elterans in Sicherheit. Wieder meldete sich eine Fremde Erinnerung. Verwundert begann Arne die Düfte seiner Umgebung wahr zu nehmen. Verwesung, Tod, Angst, der Heraiospriester. Und schließlich witterte er Seraphine. Arne rannte der Spur nach und stand vor einem Haus der Heilung.


Kapitel I - Gefangen

Die junge Magierin lief in ihrem Zimmer hin und her. Der edle Teppich, der den kalten Steinboden verdeckte, verschluckte ihre Schritte. Draußen vor dem großen steinernen Bogenfenster ward bereits der volle Mond aufgegangen. Das Schloss wirkte um die späte Stunde gespenstig ruhig. Kein Geräusch drang vom Gang vor ihrer Tür in ihr Gemach. Las Licht der edel verzierten Öllampen erhellten den Raum. Man sah sofort, das er von einer jungen Frau bewohnt wurde: Kleine Kommoden schmückten ihn in ihrer Zierlichkeit. Samtene Vorhänge kleideten die hohen Fenster. Und nicht zuletzt wurde das Bett wurde von einem künstlichen Himmel aus weißer Spitze gekrönt.
All das war Kairi im Moment vollkommen egal. Auch, wenn ihr Vater, der König des Ordens der geflügelten Götter, ihrer kleinen Schwester das Ausreißen verziehen hatte, wünschte sie ihn zu Currulum. Wie kann man einem kleinen Mädchen an den Kopf werfen, dass sie am Tod ihrer Mutter schuld sei? Fragte sie sich in Gedanken. Seid sie Denken konnte, war sie wie eine Mutter für ihre kleine Schwester gewesen. Sie war für sie da, wenn es ihr schlecht ging; tröstete sie, wenn sie Kummer hatte.
Als sie zum wiederholten Male auf dem Absatz wendete, überlegte sie kurz, wie lange sie das tun müsste, um eine Erkennbare furche in den Teppich zu laufen. Sie verscheuchte den kindischen Gedanken und sinnierte weiter darüber, wie sie ihrem Vater ein Schippchen schlagen konnte. Immerzu wollte er sie sie beschützen. Eifersüchtig achtete er darauf, dass sie nicht ohne eine Standarte Gardisten das Schloss verließ, wenn sie überhaupt in den Genuss kam, einmal vor die dristen Mauern zu gelangen.
plötzlich blieb sie apprupt stehen, als ihr eine fixe Idee durch den Kopf schoss: Ich schleiche mich morgen einfach aus dem Schloss! soll dem alten Zausel do einfach mal das Herz in die Hose Rutschen, wenn er entdeckt, dass ich nicht hier bin!
Fröhlich ging sie an ihre Schminkkomoden und holte eine Bürste aus einer der kleinen Schubladen und begann sich die blonden Haare, die ihr hübsches Antlitz krönten, zu bürsten und sah dabei in den großen, ovalen Spiegel, der dahinter an der Wand angebracht war. Durch meinen Eifersüchtigen Vater habe ich nie einen interessanten Mann kennen lernen können. Immer nur diese verzogenen Schnösel von Höflingen und Prinzen. Sie schauderte, sah in den Spiegel und sagte traurig zu ihrem Ebenbild: "Wenn ich doch nur..."
Traurig zog sie ihr seidenes Schlafgewand an, verlöschte die Öllampen bis auf die an ihrem Nachttisch und ging ins Bett. Lange lag sie aufgeregt wach und dachte an ihren Ausflug am nächsten Morgen.
Sie schlich sich durch die Hallen. Die Bogengänge wurden vom ersten Dämmerlicht des Morgens durchflutet. Sie hatte die Schuhe ausgezogen, weil sie befürchtete, jemand würde durch das Klacken ihrer Schritte auf sie Aufmerksam werden. Leise, immer im schatten der Mauern, lief sie zum Burgtor. Dort angekommen, offenbarte sich ihr ein seltsames Bild: Das große, halbrunde Tor stand weit offen. Dahinter lag die Straße zur Stadt von einer seltsamen Landschaft aus knorrigen alten Bäumen umsäumt. Fette Nebelschwaden hingen wie Barrikaden aus Watte darauf. Ängstlich machte Kairi einen Schritt nach draußen.
Eine Stimme lachte höhnisch: "Du hast durch nicht geglaubt, dass ich dich so einfach gehen lasse?" Ihr Vater trat aus dem Nebel. Kairi wollte ängstlich einen Schritt zurück treten, doch spürte sie plötzlich etwas im Rücken. Es knirschte seltsam. Die drehte sich panisch um: Hinter ihr eine Wand aus Knochen. Leere Augenhöhlen blickten sie an. Sie schrie, wandte sich wieder um und fand sich plötzlich an der Brust ihres Vaters wieder. "Vater", schluchzte sie. "Mein Kind", sagte er mir seltsam verzerrter Stimme. Die Blickte hoch und wünschte sich sie hätte es nicht getan. Sie wollte Schreien, doch ihre Stimme versagte. Wie gelähmt sah sie dem Ding ins Gesicht, was eigentlich ihr Vater sein sollte: Der einst Rotblonde Bart und die Haare waren schlohweiß, das Gesicht graugrün. Aus den ausdruckslosen Augenhöhlen drang Madenartiges Getier. "DU BIST MEIN!"
Schreiend wachte sie auf. Draußen ging die Sonne auf.


Kapitel II – Frische Luft

Öllampen erhellten das vor alchemistische Apparaten überquellende Labor im Keller des großen Anwesens. Überall kochte und brodelte es; Dampf stieg aus gläsernen Retorten, die über eigens angefertigten, magisch gespeisten Brennvorrichtungen befestigt waren. Arne saß an seinem von Büchern überladenen Schreibtisch und blickte müde die gegenüberliegende Wand an. Es war, als würden die kalten Steine ihn hypnotisieren.
Ein plötzlicher Knall riss ihn aus seinen Gedanken ein Gefäß war in der Hitze Geborsten. Die Splitter hatten sich in einem weiten Radius um den Brenner verteilt. Arne stand fluchend auf, schalt sich in Gedanken einen Träumer. Während er die Flamme verlöschen ließ und die Scherben einsammelte, dachte er an die zurückliegenden Tage und setzte sich wieder an den Schreibtisch.
Der Angriff der Seltsamen Raben hatte sein geordnetes Leben als Erbe des Handelshauses seiner Eltern völlig aus den Fugen gehoben. Grade noch hatte er Lieferungen von den großen Handelsschiffen im Hafen überwacht und in seiner Schreibstube die Bücher betreut, als alles sich grundlegend verändert hatte. Seraphine ging es wieder besser. Eine der Kreaturen hatte sie attackiert und ihr einige Wunden zugefügt, die aber bald wieder verheilen würden. Schon einige Tage später war sie wieder auf den Beinen und regelte die Angelegenheiten in der Gilde.
Sie hatte seine Veränderung als erstes bemerkt. Es kam schleichend: zunächst hielt er es nicht lange in der Sonne aus, ohne irgendwann quält in den Gildenkeller zu flüchten. Als nächstes begann zwar seine Haut einzufallen und eine ungesunde Farbe anzunehmen. Auch eine andere Veränderung seines Aussehens machte sich bemerkbar: Seine Züge wurden feiner, kantiger. Seine langen braunen Haare waren voller als zuvor. Sein Äußeres wurde zusehends aristokratischer und edel. Doch auch in ihm geschahen Veränderungen: Er war launisch und reizbar, als würde ein inneres Feuer in ihm lodern.
Dann bekam er durst. Seraphine sah schaudernd zu, wie er Wasser trank und es sofort wieder ausspie. Er versuchte es mit Wein, Bier. Immer mit dem gleichen Ergebnis. Nichts schien zu helfen. Er sah seine Umgebung plötzlich mit anderen Augen: Alles schien heller, durchscheinender. Er hörte die Ratten in den Wänden, die Oberflächen der Glasröhrchen aus dem Labor der Gilde schienen ihm Raum. Dann roch er etwas. Kupfer? Eisen? Er ging zu Seraphine, mit der er sich allein im Labor befand. Sie las in einem alten Buch mit vergilbten Seiten. Plötzlich runzelte sie die Stirn, lass immer fieberhafter in dem alten Folianten bis sie aufschreckte und sich umdrehte. Arne stand direkt hinter ihr. Er hatte sich lautlos an sie herangeschlichen. Zögernd richtete sie das Wort an ihn: "Arne, ich habe hier etwas gefunden." War Furcht in ihrer Stimme? "Es könnte euren Zustand erklären." Arne versuchte sich zusammenzureißen. "Was hast du herausgefunden?" "Nun es" sie zögerte "Es scheint eine Art Fluch zu sein. Von etwas ähnlichem wird hier berichtet. Es ist das Tagebuch eines Abenteurers aus früheren Tagen." Wieder zögerte. "Lest selbst"!

4756 Sonnenzyclus, Winter
Ich habe die Krankheit weiter erforschen können. Es scheint sich um einen Fluch zu handeln. Die Probanden verspürten schon nach kurzer Zeit nach dem aussprechen des Fluchs starke Gelüste nach Meschlichem Blut. Wir nährten sie mit jenem, das wir Gefangenen abnahmen. Lange konnten wir ihren durst nicht stillen. Wir mussten sie töten. Offensichtlich sind sie sehr anfällig für den "Inferno" -zauber...

"Das ist es also". Noch während er gelesen hatte war die Erkenntnis über ihn gekommen. Blut. War er zu einem Monster geworden? Seraphine trat an ihn heran. "Ich habe es schon seid einiger Zeit vermutet. Doch ich wollte sicher sein." Sie nahm ihren seidenen schwarzen schal ab. Arne sah wie durch eine Lupe, wie ihre Schlagender pulsierte, hörte den rasenden Herzschlag der Maga. "Ich soll?" "Du musst!" viel sie ihm traurig aber mit fester Stimme ins Wort." "Aber was ist wenn ich euch anstecke. wenn der Fluch dich auch Trifft?" Ihre Stimme wurde sanft: "Ich sagte ja, dass ich schon etwas vermutete. Ich habe bereits viel gelesen. Ich weis, dass ich euer Blut trinken muss um mich anzustecken. es ist nur so möglich." Arne sah sie an. "Deshalb wollte der Dunkle, dass ich sein Blut trinke!" "Ja Arne." Sagte sie traurig. "Und nun versucht es!" Sie versuchte fest und überzeugend zu sprechen. doch ihre Stimme zitterte. Arne sah sie an, trat zu ihr. Er zweifelte. Etwas regte sich in ihm. Seraphine bemerkte sein Zögern. Sie schlang einen Arm um ihn und neigte den Kopf zur Seite. In diesem Moment wurde sein klares denken von etwas anderem verdrängt. Plötzlich spürte er ein Ziehen in seinem Oberkiefer. Die Welt um ihn verschwamm: Er sah Seraphine vor sich als Hellrote Lichtgestalt. Er legte ihr eine Hand in den Nacken. Das letzte bisschen Zweifel war beim Anblick ihrer Weißen zarten Haut am Hals verflogen. er sog ihren duft ein. Süßer als Honig kam er ihm vor. all diese eindrücke überfielen ihn in den wenigen Sekunden in denen seine langen Reißzähne gewachsen waren. Er biss zu.
Seine Gedanken beiseite schiebend, schaufelte er das - wieder einmal - misslungene Experiment in eine Tonne. Arne Schreckte hoch. Er saß immer noch an seinem Schreibtisch im Keller. Die Lichter einiger Öllampen waren verloschen. Wie spät war es? Wie lange habe ich hier geschlafen? Er stand auf. Sein Rücken schmerze von der ungesunden Haltung in der er auf dem Schreibtisch eingeschlafen war. er löschte die übrigen Lampen bis auf eine, in deren flackernden Licht er die Kellertreppe emporstieg.
Das Alte Anwesen seiner Eltern lag im Dämmerlicht der untergehenden Sonne. Er spürte das in schrägem Winkel auftreffende Sonnenlicht fast nicht auf seiner Haut. Nun war er wach. Ihm kam der Gedanke noch einmal vor die Tür zu gehen um etwas frische Luft zu atmen und beim Krämer auf dem Marktplatz noch einige Ingredienzien für seine Forschungen zu besorgen. So schlüpfte der Junge Mann in seine Robe und verließ das Anwesen.
Die alte Hauptstrasse, die Das Westtor mit dem Hafen verband war um diese Zeit noch sehr belebt. Die Menschen liefen hastig und beschäftigt über das Kopfsteinpflaster zwischen den alten Häusern vorbei. Auch die Präsenz der Stadtwachen, deren Kontingent nach der Sache mit den Raben aufgestockt wurde war immens. Als er den Dorfplatz erreichte trat er an den Brunnen, um sich ein wenig den Schlaf aus den Augen zu waschen, als eine Stimme hinter ihm ihn ansprach: "Seid mir gegrüßt, werter Herr. Ihr seht etwas müde aus. Sagt, geht es euch gut?" Die helle Stimme gehörte einer gut gekleideten, jungen Frau. Ihre hellblonden Haare reichten weit über den Kragen ihrer weißen Robe, welche sie als Angehörige der Oberschicht auszeichnete, hinaus. Ihre blauen unergründlichen Augen blickten ihn schüchtern an. Offenbar hatte sie all ihren Mut zusammen genommen um ihn anzusprechen.
"Äh, ja. Danke." Er lächelte die junge Dame unverwandt an. "Es geht mir gut. Ich bin tatsächlich etwas müde." Sie setzte sich auf eine der kleinen Steinbänke, welche um den Stadtbrunnen herum in einem Kreis aufgestellt waren. "Setzt euch doch ein wenig zu mir", sagte sie schüchtern. Ein wenig Zerstreuung wird mir gut tun, dachte Arne bei sich und setzte sich. "Was tut eine so gut gekleidete junge Frau aus der Oberstadt so allein auf dem Markt?" Fragte er keck. "Ach, dies und das", lächelte sie. "Mir ein wenig die Zeit vertreiben. Und was tut ihr?" "Nun" Er wollte sie weder langweilen, noch mit seinen dringenden Einkäufen vor den Kopf stoßen. "Ich war ein wenig spazieren", log er. „Mein Name ist übrigens Kairi.“ Sagte sie, als er plötzlich schwieg, als fände er keinen Gesprächsstoff. „Und wie darf ich Euch nennen?“ fragte sie lächeld. „Oh, wie unhöflich von mir.“ Arne fragte sich, wo seine Manieren geblieben waren. „Nennt mich - Wieso nennt sie mit nur ihren Vornamen? - Arne.“
Sie kamen ins Gespräch. Nach einer Weile fragte sie, nachdem sie sich über belanglose Dinge wie das Wetter und die allgemeine Situation der Stadt unterhalten hatten: „Wollen wir nicht ein wenig spazieren gehen? Im Wald soll es um diese Jahreszeit wunderschön sein. Und hier in der Stadt ist es mir zu hektisch.“ Sie blickte ich an. Ihre unergründlichen, großen braunen Augen suchten seinen Blick. Er hatte bemerkt, dass sie sich ihm während, sie auf der Bank gesessen hatten, nicht nur sprachlich zuwandte. Ihre Körpersprache war eindeutig: Sie saß ihm mit Gesicht und Oberkörper zugewandt, die Beine unter der feinen Robe leicht in seine Richtung gestreckt. „Nun, ich habe ein wenig Zeit, mir etwas mich euch die Beine zu vertreten. In der Tat ist dies eine schöne Jahreszeit um im Wald spazieren zu gehen. Das Laub der Bäume verfärbt sich bereits und die wenigen Goblins, die es noch gibt, stellen keine Bedrohung mehr da.“ sagte Arne. Als er bemerkte, dass er völlig im Blick der jungen Frau versunken war, sie fast anstarrte, stand er hastig auf. „Nun dann lasst uns gehen.“ Sagte er nervös.
Sein Verhalten verwunderte ihn selbst. Sonst war er so redegewandt. Diese Eigenschaft hatte er sich im Verlauf seiner Karriere als Händler nach und nach angeeignet. Die vielen Verhandlungen mit Exporteuren naher und Ferner Häfen hatten seine Zunge geschult. Doch in Gegenwart der jungen Frau konnte er nur einsilbig und kurz antworten, als stünde seine Zunge unter ihrem Bann.
Sie standen auf und liefen auf das Südtor nahe dem Marktplatz zu, um in den nahen Wald zu gehen. Kairi blickte sich mehrmals nervös um, machte aber keine Bemerkung über ihr verhalten. Als sie die Wachposten unter dem Fallgitter passiert hatten folgten sie ein Stück der gepflasterten Strasse. Als sie sie verließen, um auf einem Karrenpfad in Richtung Wald zu gegen, sah Kairi ihn an „Nun können wir besser reden. In der Stadt fühle ich mich ständig beobachtet.“ Arne wandte den Blick zu ihr. „Wie meint ihr das? Werdet ihr etwas verfolgt?“ „Nein aber“ sie stockte. „Mein Vater sieht es nicht gerne, wenn ich außerhalb unserer Behausung alleine unterwegs bin.“ Das Wort ‚Behausung’ hatte sie etwas zu zögerlich ausgesprochen, wie Arne bemerkte. „Wie meint ihr dass? Hat er Angst um euch? Nun Ihr scheint mir aus einer Wohlhabenden Familie zu stammen, Kairi. Vielleicht hat er recht wenn er…“ Sofort wurde er von Kairi unterbrochen. „Ihr kennt ihn nicht! Er ist… Ihr scheint wirklich nicht zu wissen, wer ich bin oder?“ Er runzelte die Stirn. „Sollte ich etwa?“ Ihr Gesichtsausdruck wankte zwischen Ungläubigkeit und Unverständnis lag in ihrem Blick. „Ihr kommt nicht so oft aus dem Hafen heraus, oder?“
Tatsächlich hatte er,, seid dem Tod seiner Frau vor einigen Jahren, kaum noch am gesellschaftlichen Leben teil. Kurz danach schon hatte er für einige Zeit seine Geschäfte einem Vertrauten überlassen. Selten ging er in dieser Zeit aus dem Haus. Selbst bei den monatlichen Treffen der Handelsgilde suchte man ihn vergeblich, bis Arne dann schließlich, nach Wochen der völligen Zurückgezogenheit und Trauer, wieder seiner Arbeit nachging. Zunächst einmal von seinem Heim aus, später besuchte er auch immer öfter den Hafen, um dort Kontakte zu Pflegen, zu knüpfen und wieder aufleben zu lassen.
„Nun, ich weis nicht.“ Ihr Gesichtsausdruck war nun eher belustigt. „Aber von meinem Vater habt ihr sicherlich schon etwas gehört. Oder sagt euch der Name Teutos Greifenfels II nichts? Dem jungen Magier wich das letzte Blut aus dem bleichen Gesicht. KÖNIG Teutos? Ihr seid die Tochter des Königs?“ Die junge Frau, die nun als Prinzessin enttarnt war blickte ihn betreten an. „Ja. Ich bin Kairiana Greifenfels.“
Jetzt wusste er, warum ihm der Name so bekannt vorkam. „Aber dann wird man euch suchen. Ich muss euch in die Stadt zurückbringen. Ich…“ Sie unterbrach ihn mit flehender Stimme. „Nein, bitte tut das nicht. Ich wollte mal raus aus dem Schloss. Ihr kennt meinen Vater nicht. Er ist so streng.“ Immer noch fassungslos starrte er Kairi an. „Aber man wird euch suchen!“ „Nein, Arne. Ich habe Vorsorge getroffen. Falls mein Vater bemerkt, dass ich nicht da bin, wird einer meiner Diener Diener ihn einen Brief finden lassen. In ihm steht, dass ich bald wieder komme und er sich keine sorgen zu machen braucht.


Kapitel III - Die Gildenkriege

Anm. d. Übers.: Dieses Kapitel ist leider lediglich in Fragmenten erhalten. Es fiel dem großen Brand in der Bibliothek des alten Elteran zu Opfer. Die Fragmente erzählen zunächst von der Liebe Arnessons zu einer Prinzessin. Da sie aus zwei Rivalisierenden Bündnissen stammten, musste ihre Liebe zunächst geheim bleiben. Doch Ihr Vater, der damalige König des Landstriches, erfuhr von der Zusammenkunft der beiden Liebenden. Daraufhin setzte der König Kopfgeldjäger auf Arnesson an. Nach einer Langen Hetzjagd quer durch die Lande, wurde er durch den Verrat eines ehemaligen Freundes auf einer Insel bei den Galja-Archipel ausgesetzt und ihn dot einfangen zu können. Als ein Kopfgeldjäger ihn stellen wollte, kam ihm wie es die Ironie will, eine hochrangige Licht-Zauberin zur Hilfe. Durch Glück gelangte er auf die Galeere der Zauberin und so wieder in die Stadt Elteran zurück.
Von hier aus organisierte Arnesson ein Treffen der Gilden. Nach einer beeindruckenden Rede über die Machenschaften des Königs wandten sich ihm viele Gilden zu. Doch andere schworen dem König Treue, was die Gildenkriege auslößte.
Von einem Heerlager nahe dem Goblinwaldes, organisierte er einen offenen Angriff gegen die Festung des Herrschers. Bald schon wurde ein Heer mobilisiert, das gegen den Königspalast zog. Viele zweifelten jedoch an der Schlagkraft des Heeres. Stimmen wurden laut, alte Mächte zu beschwören. Arnesson war dagegen. Er hatte seine eigenen Pläne. Doch seine Liebe war Feuer und Flamme von der Idee, den Dämon zu beschwören um ihrem Vater endgültig das Handwerk zu legen. So trennten sie sich kurz vor dem Angriff; jeder mit ein wenig Wut über die Engstirnigkeit des Anderen.
So wurde dann zum Angriff geblasen. In ihrer Wut überrannten die Magier auf der Seite Arnessons die Verteidigungswälle um bald darauf ins stocken zu geraten. Die Verteidigung wurde von einem Arnesson völlig unbekannten Krieger geführt. Starke Behaarung und ein ekelhafter Geruch nach nassem Hund, der dem Vampir schon von weitem und über das ganze Schlachtfeld entgegenschlug, kennzeichneten den unbekannten. Dem Schecken folgte Belustigung: Der König lässt sich schon aus seiner Verzweiflung heraus mir niederen Lebewesen ein? Wehrwölfe! Er wusste, dass dies kein einfacher Kampf werden würde.
Als es den vereinten Gilden gelang, mir schwerem Gerät eine Bresche in die Mauern zu schlagen, griff Arnesson mit den seinen die Stellung des Mischwesens an. Nach langem, Blutigem Kampf, bei dem viele seiner Getreuen vielen fielen, stellte er den unbekannten Werwolf. Zu zweit standen sie sich gegenüber. Keiner traute sich an die beiden übermächtigen Gegner heran. Der Wehrwolf eröffnete den Kampf mit einer Finte und überraschte Arnesson. Leicht angeschlagen verwandelte er sich in seine Vampirgestalt. Ihn so weit überlegen, war es ihm ein Leichtes, den Verräter zu schlagen. Aber er ließ ihn zappeln. Immer wenn der Wolf zum Hieb ausholte, wich Arnesson ihm leichtfüßig aus. Doch bald machte er seinem Spiel ein Ende: Den magischen, reich verzierten Froststab schwingend, versetze er den unterlegenen in eine Starre. Er trat an ihn heran und flüstere ihm etwas in das haarige Ohr. Wenn er sich bewegen hätte können, wäre sein Gesicht schreckensverzerrt. Mit einem fast sanft anmutenden Hieb schlitze er dem Wehrwolf die Kehle auf. Nicht einmal schreien konnte er, als das Blut aus seiner offenen Kehle rann.
Der Sturm auf die Bastion des Königs war fast zu Ende.


Die Waagschale der HeraiosBearbeiten

Die Expedition lief anders, als der dicke Wälzer über dieses Gebiet hatte erwarten lassen. Tagelang schlug sich die kleine Gruppe aus Elteran, die von ihrer Anführerin ausschließlich aus Anhängern des Lichtordens zusammengestellt worden war, nun durch den Wald, der nun immer lichter wurde. Schlingpflanzen wurden nun von Dornenranken abgelöst, die beharrlich immer wieder in ihre Beinkleider bissen und die Haut darunter schmerzhaft aufrissen.
Auraja fluchte leise aber hörbar, als wieder einmal ein gefühltes Doppeldutzend Dornen sich in ihr Fleisch gruben. Als sie Rian, eine ihrer Gefährtinnen ansah, biss sie aber die Zähne zusammen. Sie widerstand der Versuchung, sich über den Unterschenkel zu reiben, um den Schmerz zu lindern und tat so als studiere sie die Karte.
Laut der alten Karte, die sie durch Zufall in der kleinen Bibliothek ihrer Gildenhalle gefunden hatte, sollten sie schon bald am Ziel ihrer Reise angekommen sein. Der Fluss Rindori war hier am Ende das Waldes schon deutlich schmaler als am Elteraner Delta und die Vegetation war nun auch die eines lichteren Waldes wie sie schmerzhaft festgestellt hatte.
Nur wenige Menschen waren bis zur Quelle des Stromes vorgedrungen. Die wenigen Berichte die noch zu finden waren hatte die junge Magierin in den vergangenen Wochen zur Vorbereitung der Expedition in der Großen Bibliothek von Arthoria recherchiert. In einem alten Buch hatte sie eine Passage gefunden, in dem von einem Zauber die Rede war, der Reisenden zur Quelle des Rindori etwas offenbaren sollte. Sie hatte den Zauber studiert und war sich beim ersten Test so sicher, dass sie ihn beherrschte, doch als sie ihn angewandte geschah nichts. Die Junge Frau vermutete, dass dies nur an ihrem Ziel Auswirkungen haben sollte.
Gedankenverloren, den Blick auf der Karte, stolperte sie über eine Wurzel. Mit dem Armen rudernd und einen hellen Schrei auf den Lippen, stürzte sie nach vorn. Kurz bevor sie merkte, das ihre Bemühungen das Gleichgewicht zu halten hoffnungslos waren und sie wohl sehr bald mit dem Kinn auf dem rauen Boden aufschlagen würde, spürte sie einen Ruck um ihre Schultern und um ihre Brust. Ihr Schrei erstarb. Sie schlug die Augen auf, die sie im freien Fall kurz vor dem Unausweichlichen Aufschlag schützend geschlossen hatte. Sie bemerkte, dass sie in der Luft, nur gehalten von den Trägern ihres Rucksacks, hing. Sie wand den Kopf und sah den unteren Teil einer langen roten Robe, die sie sehr wohl kannte. Grade als sie zornig etwas sagen wollte, wurde sie schnell wieder auf die Füße gezogen, was ihr wiederum ein überraschtes "huch!" entlockte.
"Passt auf, wo ihr hintretet", sprach sie eine etwas dunkle, aber melodisch klingende Männerstimme an. Die Magierin hörte den leicht belustigten Unterton des Mannes und drehte ihren zornesroten Kopf in seine Richtung.
"Ich danke euch, Arne“, fauchte sie und verbiss sich jeden weiteren Kommentar. Wortlos lief sie weiter, nun auf ihre Füße achtend. "Wie bin ich bloß dazu gekommen, diesen hochmütigen Kerl mitzunehmen?" fragte sie sich in Gedanken selbst.

In Gedanken versunken dachte sie über ihre erste Begegnung mit dem seltsamen Magier namens Arne nach.
Sie hatte nicht gewusst, dass der Mann, als er gerade in einer Nische der weitläufigen Bibliothek über einem Buch gebrütet hatte, spitze Ohren bekam als sie den ergrauten Bibliothekar nach besagtem altem Buch fragte. Blitzschnell war er in den Gang in dem es sich befand gelaufen, nahm es heraus und tat so als würde er es lesen. Als Auraja den Gang betrat und die leere stelle im Regal fand, stellte er sich ihr vor und fragte wissend nach ihrem Interesse an dem Buch. Zögerlich hatte sie einige Details preis gegeben. Er habe angeblich von etwas ähnlichem gehört und bot sich an, sie bei weiteren Nachforschungen zu unterstützen.

Von all dem nichts wissend, grübelte die junge Frau nun über die seltsamen Umstände ihrer Zusammenkunft nach. "Da vorne dringt Licht durch das Unterholz", rief Rian, die ein Stück vorausgegangen war. Nach einer Weile standen sie im Licht des hellen Tages, das nicht durch das Blätterdach hellgrün gefärbt wurde und blickten auf eine nahe Hügelkette. "Das da muss das Quelltal sein" meinte Cali, einer ihrer Begleiter. Die
schlanke Gestalt von Auraja trat mit einem langen Messer um sich schlagend aus dem Unterholz und blickte in die Ferne. Arne tat neben Sie. "Da sind wir. Bis heute Abend sollten wir es erreicht haben", stelle er mit einem Blick auf die vor ihnen liegende Ebene fest. Sie sah zu seinem etwas eingefallen wirkenden Gesicht hoch und musste wegen des plötzlich so grellen Sonnenlichtes blinzeln. "Worauf warten wir dann noch?" fuhr sie ihn an und lief auf die Hügel zu. Arne schmunzelte, verschränkte die Hände hinter seinem Rücken und ging ihr gemächlich nach.
Am frühen Abend erreichten sie einen kleinen Pass zwischen zwei Hügeln und blickten auf das Tal hinab. Es war steinig und von flachem Bewuchs. Hier und da einige Blumen nahe dem schmalen Fluss.
"Was meint ihr", fragte Rian, "wollen wir den Zauber testen?"
Auraja sah sie an. "Warum nicht. Gleich hier und jetzt". Einwände anderer nicht abwartend, begann sie den Zauber zu weben. An der Spitze ihres Stabes, der die Energie fokussierte, bildete sich ein hell schimmernder Ring der plötzlich und schnell wie eine Welle über das Tal fegte.
Alle sahen auf das Tal hinab.
"Es ist nichts geschehen", sagte Aurajas Vertraute Rian. "Seht doch da unten bewegt sich was", Sie zeigte auf einen Punkt in der Ferne. "Kann das ein Tier sein?"
Alle spähten in das Tal, als hinter ihnen ein heulender Ton zu vernehmen war. Alle drehten sich blitzschnell um.
Sie erblickten ein schemenartiges Wesen. Ständig wechselte es seine Form. Es kam auf sie zu. Jetzt sag es aus, wie der Kopf einer uralten Frau.
Arne erwachte als erster aus seiner Starre und flüsterte "Lauft!".
Einige drehten sich um und rannten.
Auch Arne drehte sich gerade hastig um als Auraja mit
Entschlossenheit in ihren Augen den Stab hob und sich spannte. Ein Feuerball schoss aus ihrem Stab. Er ging einfach durch das Wesen durch und traf krachend auf einen Felsen, wo er einen schwarzen Fleck hinterließ. Der Magier packte die kleine Frau einfach am Arm,
riss sie herum und zog sie erbarmungslos mit sich. Als sie mehrfach stolperte, warf er sie sich einfach über die Schulter. Laut protestierend, wand sich Auraja. Doch als sie, über seiner Schulter liegend, sah, das der Schemen sie verfolgte, überwog die Furcht ihren Ärger über seine Dreistigkeit.
Arne rannte den anderen nach. "Hier ist eine Höhle" rief es aus einer Felsspalte zu seiner Rechten. Er rannte darauf zu. Als er sie erreichte, fiel ihm eine Rune, die der Heraios geweiht war auf, die in den Eingang gemeißelt war. Er rannte hindurch und ließ Auraja herunter die ihn kurz wütend anfunkelte, sich dann aber schnell zum Eingang umsah. Nichts geschah. Das gespenstische Wesen kam ihnen wohl nicht nach.
Nach einem Augenblick der Anspannung, brachte Arne seinen Stab mit einem knappen, melodischen Laut zum leuchten. Sie standen in einer kleinen Höhle. Tropfsteine ragten von der Decke und verbanden sich teilweise mit denen auf dem Boden. In der Mitte war eine breite Platte aus dem Fels gehauen, die von vier Stalaktiten an jeder Ecke flankiert wurde.
"Was ist das?", fragte Auraja verwundert. "Scheint eine Art Altar zu sein." Rian trat näher an den Stein heran. "Hier ist eine Kreisrunde Vertiefung in der Ecke. An den Seiten ist jeweils
auch eine."
Sie traten nun alle an den Schrein heran.
"Sie sind ja voller Sand!" Auraja fegte mit der Hand den Sand aus der mittleren Vertiefung und pustete den Rest weg. "Das Loch ist nicht sehr tief", sagte sie mit einem Blick auf den flachen Boden der Vertiefung, als der Sand wieder aus allen Richtungen in es
zurückgezogen wurde. Sie erschrak.
"Was?"
"Es scheint magischer Natur zu sein", bemerkte Arne und trat naher. "Ich habe da so einen Verdacht." Er ging zum Mittleren und malte etwas mit dem Zeigefinger hinein.
"Heraios Zeichen", bemerkte Auraja. Doch nichts geschah.
"Nun, es bleibt so wie es ist", meinte Arne trocken. Und sah abwechselnd auf die anderen beiden Vertiefungen. "Habt ihr das Buch den ganz gelesen, werte Magierin?"
"Natürlich." Sagte sie leicht verärgert. "Aber da stand nur noch etwas von einem Artefakt das das Gute und das Böse in der Welt beherrschen kann. Irgendeine Legende."
Arne schmunzelte. "Und was stand da noch?“
"Nur etwas über jemanden, eine Frau, die kommen würde es zu erhalten. Irgendeine seltsame Geschickte über Heraios, der Göttin des Gleichgewichts wie man sie in den Tempeln hört. Wenn das so ist, ist die Lösung ja ganz einfach." Sie trat an die rechte Seite des Altars, die in der Mystik die gute Seite darstellte und malte das Zeichen Terajas, der Göttin des Lichts in den Sand. Als nichts geschah, ging sie zur anderen Seite. Sie zögerte kurz und malte das
Zeichen des Schattengottes Curulum in den Sand. Nach einem kurzen Moment verschwand es aber wieder und eine glatte Sandfläche zierte die Mulde im Altar.
"Was soll das nun wieder?" Sie wiederholte es mit dem gleichen Ergebnis. Schweigend blickte sie auf die Mulde.
"Habt ihr nicht gelesen, das die Symbole Terajas und Curulums nur von den jeweiligen Anhängern wirksam gezeichnet werden können?" sagte Arne mit gespieltem Bedauern.
Sie funkelte ihn an" Und wo sollen wir bitte einen her bekommen? Habt ihr etwa einen unter eurer Robe?"
Es blitze kurz belustigt in seinen Augen. "Vielleicht." Er trat an ihre Seite und seine Finger malten das Zeichen des Dunklen Gottes in den Sand.
Sie blickte ihn an. "Ihr seid ... und ich dachte …"
"Was dachtet ihr?" schnitt er ihr das Wort ab. "Das ich einer der Euren bin? Habe ich das etwa behauptet?"
Sie richtete ihren Stab auf ihn. "IHR" schrie sie, als der Boden vibrierte. Der Sand in der mittleren Vertiefung rieselte nach unten und gab ein Loch frei.
Arne hob die Hände und lächelte. Auraja trat zu dem Loch, zögerte, überwand sich dann aber und fasste hinein.
Sie förderte einen silbergrau glänzenden Stein zu Tage.
"Was ist das?" fragte sie überrascht.
"Das meine Liebe, ist ein Edelstein des Gleichgewichts. Ich wusste, ihr seid die Richtige."
"Die Richtige? Die Richtige für was?" Sie schaute ihn verstört an.
"Das wisst ihr doch schon. Zumindest ahnt ihr es. Ihr seid diejenige, die de Edelstein finden sollte. Die Frau aus der Legende. Eine geweihte Heraios. Ihr sollt das Gleichgewicht
zwischen Licht und Dunkelheit wahren. Wer meint Ihr, hat euch die Aufzeichnungen in eurer Gilde finden lasen?"
"Ihr habt..." Aurajas Augen wurden groß.
Arne fuhr fort. "Dieser Tage ist dies eine besondere Herausforderung. Curulums Anhänger sind mächtig geworden, obwohl sie im Verborgenen leben und in der Minderheit sind. Bald ist der Tag gekommen, an dem Ihr den Stein einsetzen müsst. Kehrt mit mir nach Elteran zurück und lasst ihn uns gemeinsam untersuchen."
"Ich soll die Frau… Moment. Ihr seid offensichtlich ein Diener Curumlums. Warum solltet ihr das Gleichgewicht wiederherstellen wollen?"
"Ich bin schon lange mein eigener Herr. Ich habe den dunklen zu lange und vielleicht auch zu nachhaltig unterstützt. Nun ... " er zögerte. "Nun zahle ich den Preis. Vertraut mir. Arbeitet mit mir zusammen und..."
"Ich soll Euch vertrauen? Ihr habt mich hereingelegt."
"Hereingelegt? Ich habe Euch nur einen Stoß in die richtige Richtung gegeben. Ihr seid nun die Hüterin des Gleichgewichts. Ich werde Euch mit euren Aufgaben Vertraut machen, sobald wir wieder in der Stadt sind. Heraios möge Eure Wege ebnen."
Arne ging an ihrem immer noch erhobenen Stab vorbei in Richtung Höhlenausgang.

© Text und Idee: Arnesson 07/2009
Lebenslange Lizenz, Inspiration und Muse: Auraja


Das Leben des Arnesson - Verlorene ManuskripteBearbeiten

Vorwort
Lange ward man der Auffassung, dass die Figur des Arnesson, bekannt aus diversen Sagen um die Hafenstadt Elteran, eine bloße Erfindung zeitgenössischer Autoren sei. Der Fund dieser Manuskripte aber, füllt diverse Lücken in den Erzählungen und eröffnet bereits überholten Thesen um die tatsächliche Existenz des verfluchten Magiers wieder Tür und Tor für neue Spekulationen. Diese Texte, die nun kürzlich in den Katakomben der alten Bibliothek der Hafenstadt gefunden und konserviert wurden, schließen diverse Lücken zwischen einigen Kapiteln der Erzählungen.
Die Tatsache, das Teile der Erzählungen den Verlauf tatsächlicher geschichtlicher Ereignisse kreuzt, legt zumindest die Vermutung nahe, das es wohl einen Magier gegeben haben muss, der durch seltsame Umstände und Verstrickungen am Verlauf der Geschichte Elterans beteiligt sein gewesen muss und der Figur Arnessons entspricht. Diese Vermutung fußt, wie bereits erwähnt, auf diversen Ereignissen in der Zeit seines Lebens die die Realität kreuzten.
Unklar ist jedoch immer noch, wie die Figur Arnessons in weiteren Geschichten auftaucht, die nachweislich deutlich nach seiner natürlich möglichen Lebenszeit geschehen sind. Ob man nun dem Glauben an den angeblichen Vampir Glauben schenkt, so wie es die vorliegende Lebensgeschichte und diverse Reiseberichte erzählen, oder an die Fantasie zeitgenössischer Geschichtsschreiber sei dem geneigten Leser überlassen (Vgl.: „Die Hallen von Luna Sanguinis – aus: Die Chroniken von Luna Sanguinis).
Auch die Handschrift und der Stil der geborgenen Manuskripte legen weiterhin den Verdacht nahe, das die Texte ein und dem Selben Schreiber zuzuordnen sind, was auf Grund der Zeitspanne in der sie geschrieben wurden sein müssen, schlichtweg unmöglich ist.
Weiterhin geben die überlieferten Texte wieder keinen Aufschluss über die Umstände oder überhaupt den Tot von Arnesson. Seltsam ist in diesem Zusammenhang der Fund eines Mumifizierten Herzens in der neu erschlossenen Katakomben der alten Elteraner Bibliothek. Es war, wie die Manuskripte, in einer separaten Urne ohne irgendwelche Inschriften deponiert. Es ist zu klein, um zu dem als hochgewachsen beschriebenen Protagonisten zu gehören.

Der folgende Textabschnitt fügt sich direkt an den geschichtlich belegten Überfall einer Rabenhorde an, die Elteran heimsuchte. Oft ist in den Erzählungen um Arnesson von einem Schwarzmagier die Rede, der den Überfall angeordnet, und den Protagonisten nach einem gescheiterten Angriff zum angeblichen Vampir gemacht haben soll.


Kapitel II – Der Kuss des Vampirs – Textfragment

[UNDER CONSTRUCTION]


Die Hallen von Luna SanguinisBearbeiten

Er stand vor der Adresse, die man ihm genannt hatte. Eine Mischung aus Skepsis und Furcht lag auf seinen Zügen und beherrsche sein Denken. Das steinerne, teils vernagelte Gebäude lag in einer Seitengasse der Oberstadt Elterans. Es passte nicht in das Bild: Die fast pedantisch gepflegten Vorgärten der erleuchteten Nachbarhäuser flankierten den gespenstisch wirkenden Hof des zurückgesetzten, zweistöckigen Hauses. Es wirkte dadurch noch gedrungener, gespenstischer. Kein Licht strahlte zwischen den Brettern der vernagelten Fenster, als traue es sich nicht heraus. Durch das windschiefe, löchrige Dach pfiff der Wind und verursachte ein heulendes Geräusch.
Er gab sich einen Ruck, setzte leichtfüßig über die niedrige Steinmauer hinweg und begann, nach dem Brunnen zu suchen. Seine Gaunernase sagte ihm, er solle es hinter dem Haus versuchen. Also zwängte er sich durch das wuchernde Gebüsch. Es schien, als wollten die Ranken der wilden Rosen zurückhalten, ihn warnen.
Wieder Zweifel.
Der junge Mann entfernte vorsichtig einige Ranken aus seiner Kleidung und seinem Fleisch, drang weiter durch den Garten an der Flanke des Hauses vorbei. Als er es halb umrundet hatte, sah er im Schein des Mondes einen Teil der alte Wehrmauer, die dahinter bedrohlich aufragte. Er ging darauf zu und entdeckte eine kahle Stelle im überwucherten Boden. Fußspuren? Er sah die Mauer hinauf. Eine kleine Bresche war in der Mauer zu entdecken; so folgerte er, dass hier wohl des Öfteren jemand hinunter sprang. Sein blick suchte den Brunnen. Er entdeckte ihn einige Meter von ihm entfernt versteckt zwischen Büschen. Darauf zugehend, sah er einen halb verrotteten Holzeimer an einem Seil hängend. Die morsche Konstruktion der Winde schien ihm wenig Vertrauen erweckend. Er sah in den Abgrund. Rostige Streben verloren sich in der Dunkelheit.
Er schwang sich auf den Brunnen. Prüfend trat er auf die erste Strebe. Sie hielt. Langsam, mit mulmig wackeligen Gliedmaßen drang er in die Dunkelheit ein.
Kein Wasser war am Grund. Moose wuchsen an der feuchten Mauer, genährt duch den fahlen Mond, der über dem Rand des runden Einstiegsloch des Schachtes lugte, als wolle er einen verstohlenen Blick hineinwerfen.
Sein Blick drang durch das Halbdunkel. Er sah sich um und entdeckte einen schmalen Durchlass. Wenige Meter dahinter, gelangte er zu einem Tor mit seltsamen Maserungen. Plötzlich glommen sie rötlich pulsierend auf. Eine Grauen errgende Fratze, scheinbar durch die pochenden Venen genäht, erschien an der Oberfläche. Eine infernalische Stimme herrschte ihn an: WASSS ISSST DEIN BEGEHR?
Iiiich... Er zwang sich zur Ruhe: Das ist nur Abschreckung!
Chuthulu! Pures Entsetzen schwang in seiner Stimme mit. Zu seiner eigenen Überraschung schwang das Portal auf. Dahinter lag ein gewölbeartiger Keller. Fackeln erhellten mit ihrem Schein die tragenden Säulen. Er trat ein.
An einem Tisch entdeckte er eine junge, wunderschöne Frau. Schwarzbraunes Haar rahmte Ihre Stirn. Mit ihren unergründlichen Augen sah sie ihn an. Ah! Wir haben dich Bereits erwartet. Du bist spät. Geh doch bitte durch diese Tür dort. Der Meister erwartet dich bereits.
Sein Herz begann, durch die freundliche Stimme der jungen Schönheit, sich zu beruhigen. Er nickte leicht, wobei er darauf achtete, seine Schultern straff zu halten.
Langsam schritt er auf die schmale Tür zu, öffnete sie und trat ein. Dahinter befand sich ein spartanisch eingerichteter Raum. Ein schmuckloser, rechteckiger Steinquarder ragte aus seiner Mitte. Darauf lag ein Mann mit jungen, aristokratisch wirkenden Zügen. Sein Gesicht war schmal und etwas eingefallen. Als er näher kam, schlug er apprupt die Augen auf. Sich langsam aufrichtend sprach er mit dunkler, angenehmer Stimme. Ah, du bist es. Ja ich äh... Ich möchte eurer Bruderschaft beitreten. Seine Stimme wackelte. Ach? Das ist ein Missverständnis. Er lächelte diabolisch. Du bist aus einem anderen Grund hier, sagte eine andere wohlbekannte Stimme. Die junge Frau war leise durch die Tür hinter ihm getreten. Die Züge des Mannes veränderten sich: Ein Schatten legte sich über sein Gesicht. Als wolle er seine Glieder einrenken, wand er seinen Kopf auf seinem Hals. Lange Eckzähne sprossen aus seinem Kiefer. Was.. Warum? Ich glaube, dass weist du bereits. Er lächelte wieder. Blitzschnell war er hinter ihm.


Vom Ursprung der MagieBearbeiten

(Hiermit nahm Arnesson am Geschichtenwettbewerb "Der Jagdring Elterans" teil, Ergebnis noch nicht bekannt.)


Anm. d. Übers.: Diese Abschrift einer Schriftrolle, geborgen aus den Katakomben des alten Elteraner Stadtarchivs, geht zurück auf die frühesten Tage der Wiederentdeckung der Magie und dem Umgang mit den magischen Steine. Der Verfasser ist unbekannt, doch wird vermutet, dass dieses Skript ursprünglich in die "Märchen und Sagen aus Elteran und Umgebung" eingehen sollte, da ein Teil des Textes schon in anderer Form in dem Werk vertreten war. Doch wegen seiner wissenschaftlichen Relevanz war es ein eigenständiges Werk geblieben.

Die Luft war erfüllt von den Gerüchen eines langen warmen Frühlingstags und den Klängen der Dämmerung, die nun im sanften Vorhang der Nacht langsam ihr Ende fand. Sehr deutlich konnte man riechen, wie die Düfte von Blumen und Gräsern den nun aufkommenden Seewind wichen, der nun den frischen Odem des Meeres über das Land trug.
Liamar Al'Shalhassar zog die Kapuze seines langen grauen Mantels tiefer in das Gesicht. Weniger, weil der aufgekommene Wind nun etwas auffrische, vielmehr wollte er seinen Okulus mit der smaragdenen Linse vor seinem Auge vor der herannahenden Trupp Stadtwachen verbergen. Zwar musste man in letzter Zeit viel tun, um in der Hafenstadt Elteran aufzufallen, doch wollte er sicher gehen nicht die Aufmerksamkeit der Uniformierten auf sich zu ziehen, oder schlimmer noch, von ihnen aufgehalten zu werden. Denn er hatte es eilig. Die in Silber gefasste Apparatur mit dem geschliffenen Smaragd über seinem linken Auge offenbarte ihm schon länger, das mit den Magieflüssen etwas nicht in Ordnung zu sein schien. Die meisten Magier waren sich durchaus den Strömungen die sie umgaben bewusst, doch hatte es noch niemand geschafft, diese alles - fast alles - durchdringenden magischen Bögen, Nebel und Schlieren sichtbar zu machen. Geschweige denn zu lenken, fügte Liamar seinen Gedanke hinzu. Keiner, ja wirklich niemand dieser eingebildeten Magier, Erzmagier und Hexer machte sich auch nur Ansatzweise bewusst woher sie ihre magischen Energien bezogen. Nur in alten Schriften waren Studien nachzulesen. Schriften, von denen nur wenige der Elteraner Bibliothek und ihren erwürdigen Archivaren bekannt waren. Schriften, auf die er in einigen schwierigen Expeditionen gestoßen war und auf denen er auch die verstreuten Teile seiner seltsamen Apparatur über seinem Auge gefunden hatte. Experimente und Theorien zeugten von einem regen Interesse der magiekundigen Menschen von einst. Man fand heraus, dass besagte Energien wohl der Ursprung der Magie waren. Die Menschen schienen sie "aus der Luft", so beschrieben, zu beziehen. Damals war noch niemandem klar, woher oder vielmehr woraus sie entstammte.
Doch durch seinen Okulus konnte er sie sehen. Wie Nebel schien sie ihn zu umgeben. Manchmal bewegte sie sich träge, wie fetter schwerer Rauch, mal so schnell, das er es kauf mehr als Bewegung wahrnehmen konnte. Mal schlug sie Bögen von einem Fleck zum anderen, mal gerade durch die Atmosphäre bis hoch in den Himmel. Aber nachts, da sah er es am deutlichsten. Grün und violett zog die Energie ihre Bahnen, Kreise und Bögen durch die Nacht. Liamar hatte herausgefunden, das die Farbe Grün wohl die Lichte, und die Farbe Violett wohl die dunkle Seite der Magie repräsentierten.
Aber seit kurzem war es anders. Das Muster hatte sich verändert. Er konnte nicht genau sagen wie, doch es hatte sich verändert. Es war unruhiger, loser. Kein ihm bekanntes Wort konnte es ausreichend beschreiben.
Als er kürzlich, um einige Lücken in den ihm bekannten Aufzeichnungen zu füllen, in der Bibliothek Elterans gewesen war, bemerkte Liamar einen zusammengefalteten Fetzen Papier in seiner Manteltasche. Als er ihn, mehr aus Neugier und Ordnungsliebe als aus der Erkenntnis, dass man ihm den Zettel zugesteckt hatte heraus, auseinanderfaltete, standen dort eine Adresse und eine Uhrzeit. Das allein hätte Liamar Al'Shalhassar zum sofortigen wegschmeißen des Zettels veranlasst, doch stand darunter noch ein einzelnes, verschnörkelt kaligrafiertes Wort:

Nazggajup

Übersetzt hieß das "Ring der Jäger" oder auch "Jagdring". Das hatte nun mehr als nur seine Neugier geweckt. Dies war das Relikt, nachdem er all die Jahre gesucht hatte. Der Grund warum er aus der Wüste in die Magierhochburg Elteran gereist war. Das Letzte Teil, welches nötig war, um seinen Okulus zu vervollständigen. Zwar konnte er die Magieflüsse sehen und auch sogar besser nutzen, doch ließen die alten Schriften erahnen das mit dem "Nazggajup" noch etwas ganz anderes Sichtbar wurde. Wesen, die normalerweise tief unter der Erde bei der Quelle der Magie ihr Dasein fristeten. Doch die Symptome, die die Veränderung in der Magie widerspiegelte, wurden auch in den alten Schriften beschrieben. Dort war davon die Rede, dass eben diese Wesen zur Erdoberfläche aufstiegen um die Wogen wieder zu glätten. Und die weiteren, recht bildlichen doch lückenhaften Beschreibungen ließen vermuten das besagte 'Wogen' noch nicht die leichten Veränderungen in den magischen Strukturen waren. Vielmehr war ein Orkan zu erwarten, welcher aus den Grundfesten der Erde emporsteigen sollte. In Elteran waren diese ersten Unregelmäßigkeiten am deutlichsten zu spüren, das den neuerlich leichten Umgang mit der Magie in diesen Breiten zu erklären schien. Auch die Manakristalle schienen mit dem Phänomen in Verbindung zu stehen.
Die Stadtwachen marschierten nun an ihm vorbei. Es wäre Liamar zwar ein Leichtes gewesen, mit den teilweise recht athletischen Männern fertig zu werden, doch wollte er weder Aufmerksamkeit auf sich ziehen, noch Unschuldige verletzen. Bald hatte er seinen Weg aus seinem Hotelzimmer im Hafenviertel bis hoch in die Oberstadt hinter sich gebracht. Er ging die letzen Schritte auf ein haus am Rande eines Platzes zu.
Er stand vor der Adresse, die man ihm der Zettel genannt hatte. Eine Mischung aus Skepsis und Argwohn lag auf seinen Zügen und beherrsche nun plötzlich sein Denken. Das steinerne, teils vernagelte Gebäude in der Oberstadt Elterans passte nicht in das Bild: Die fast pedantisch gepflegten Vorgärten der erleuchteten Nachbarhäuser flankierten den gespenstisch wirkenden Hof des zurückgesetzten, zweistöckigen Hauses. Es wirkte dadurch noch gedrungener, gespenstischer. Kein Licht strahlte zwischen den Brettern der vernagelten Fenster, als traue es sich nicht heraus. Durch das windschiefe, löchrige Dach pfiff der Wind und verursachte ein heulendes Geräusch.
Er gab sich einen Ruck, setzte leichtfüßig über die niedrige Steinmauer hinweg und begann, nach dem Brunnen zu suchen. Seine Nase sagte ihm, er solle es hinter dem Haus versuchen. Also zwängte er sich durch das wuchernde Gebüsch. Es schien, als wollten die Ranken der wilden Rosen zurückhalten, ihn warnen.
Wieder Zweifel.
Liamar Al'Shalhassar entfernte vorsichtig einige Ranken aus seiner Kleidung und seinem Fleisch, drang weiter durch den Garten an der Flanke des Hauses vorbei. Als er es halb umrundet hatte, sah er im Schein des Mondes einen Teil der alten Wehrmauer, die dahinter bedrohlich aufragte. Er ging darauf zu und entdeckte eine kahle Stelle im überwucherten Boden. Fußspuren? Er sah die Mauer hinauf. Eine kleine Bresche war in der Mauer zu entdecken; so folgerte er, dass hier wohl des Öfteren jemand hinunter sprang. Sein Blick suchte den Brunnen. Er entdeckte ihn einige Meter von ihm entfernt versteckt zwischen Büschen. Darauf zugehend, sah er einen halb verrotteten Holzeimer an einem Seil hängend. Die morsche Konstruktion der Winde schien ihm wenig Vertrauen erweckend. Er sah in den Abgrund. Rostige Streben verloren sich in der Dunkelheit. Doch das Wort, was auch auf seinem Zettel stand, war in den Rand des Brunnens eingeritzt.
Er schwang sich auf den Brunnen. Prüfend trat er auf die erste Strebe. Sie hielt. Langsam, mit mulmig wackeligen Gliedmaßen drang er in die Dunkelheit ein. Kein Wasser war am Grund. Moose wuchsen an der feuchten Mauer, genährt durch den fahlen Mond, der über dem Rand des runden Einstiegsloch des Schachtes lugte, als wolle er einen verstohlenen Blick hineinwerfen. Sein Blick drang durch das Halbdunkel. Er sah sich um und entdeckte einen schmalen Durchlass. Wenige Meter dahinter, gelangte er zu einem Tor mit seltsamen Maserungen. Plötzlich glommen sie rötlich pulsierend auf. Durch sein Okular konnte er die magischen Strömungen die das Tor durchdrangen sehen. Und Lenken! So aktivierte er den magischen Mechanismus und das Tor schwang langsam nach innen auf. Dahinter lag ein gewölbeartiger Keller. Fackeln erhellten mit ihrem Schein die tragenden Säulen. Er trat ein.
An einem Tisch entdeckte er eine junge, sehr hübsche Frau. Schwarzbraunes Haar rahmte Ihre Stirn. Mit ihren unergründlichen Augen sah sie ihn an. "Ah! Wir haben dich bereits erwartet. Du bist spät. Geh doch bitte durch diese Tür dort. Der Meister erwartet dich bereits."
Sein Herz begann, durch die freundliche Stimme der jungen Schönheit, sich zu beruhigen. Er nickte leicht, wobei er darauf achtete, seine Schultern straff zu halten. Langsam schritt er auf die schmale Tür zu, öffnete sie und trat ein. Dahinter befand sich ein spartanisch eingerichteter Raum. Ein schmuckloser, rechteckiger Steinquarder ragte aus seiner Mitte. An einem hölzernen Sekretär an der Wand saß ein junger Mann mit aristokratisch wirkenden Zügen. Sein Gesicht war schmal und etwas eingefallen. Als Liamar den Raum betrat bemerkte der Mann ihn. Sich langsam aufrichtend sprach er mit dunkler, angenehmer Stimme. "Ah, du bist es. Nimm doch Platz. Nenne mich Rean" Er bedeutete ihm einen Stuhl neben seinem eigenen. Sich setzend sagte Liamar: "Mein Name Liamar Al'Shalhassar." Ein leichte Unwohlsein schwang in seiner Stimme mit. Sein Gegenüber schien dies bemerkt zu haben. "Oh ihr braucht keine Angst zu haben. Bitte entschuldigt die Geheimnistuerei, doch sie war nötig." Er winkte die junge Frau herbei. "Wir werden euch alles erklären."
Die Schönheit kam herein und stellte sich mit Lewijanna vor und setzte sich zu den beiden. Nun begann er wieder zu sprechen: "Ich muss mich wirklich noch einmal wegen der Geheimniskrämerei entschuldigen. Doch trage ich kein Kleinod bei mir." "Ihr habt den Jagdring?" frage Liamar immer noch angespannt. "Ja, wir haben ihn. Und sott ihn bekommen. Verwendet ihn gut bevor die Magiewesen die Welt wie wir sie kennen zerstören." Mit diesen Worten griff er in seine Tasche und zog einen schmalen, silbrigen Ring mit weitem Durchmesser aus der Tasche. "Nazggajup". Das war das einzige, was Liamar hervorbrachte.
"Nimm ihn und moniere Ihn auf deinem Okular. es sollte ganz leicht gehen." Sagte Rean. "Tue es aber draußen. Dieser Raum ist magisch abgeschirmt. Nun geh und halte auf, was fast nicht mehr aufzuhalten ist. Komme wieder, wenn du nicht mehr weiter weißt, aber mache dir zunächst selbst ein Bild." Liamar nickte und verließ die unterirdischen Räume.
Wieder an der Luft zog er sein Okular ab und versuchte er mit zittrigen Fingern den Ring in die dafür vorgesehene Nut im Okulus einzupassen. Es er sich dazu Zwang, ruhigen zu werden, rastete er mit einem hörbaren Klicken ein. Er atmete tief ein und setzte das Okular wieder auf - und ihm stockte der Atem. Keine Schrift hatte ihn hierauf vorbereiten können. Er sah sie. Die Wesen die eigentlich an der Quelle tief im inneren der Erde lebten. Sie waren schön und doch abstoßend, weckten ein Gefühl der Liebe so wie auch blanken Hass. ihre Farbe wechselte in fließenden Schlieren von grün ins Violette. Doch eines lenkte seinen Blick noch viel mehr auf sich: Ein breiter, schimmernder Schweif eines glitzernden graden Flusses gleich, zwang seine Augen nach oben zu schauen. Der Schweif stieg etwa aus dem Hafenviertel der Stadt empor. Sie bildete eine Art Brücke, die sich in gerader Linie dem Mond entgegenstreckte und ihn erreichte.
Liamar Al'Shalhassar dachte nur: "Nun fügt sich alles. Ich weis was ich zu tun habe", und bewegte seine Schritte auf den schillernden Bogen zu.

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki